Vojta-Therapie

Behandlungskonzept nach Dr. Vojta

Der Gründer dieser Therapieform, Dr. Vaclav Vojta lebte von 1968 bis zu seinem Tod im November 2001 in Deutschland. Er war Neuropädiater und Neurologe, lehrte und arbeitete am Kinderzentrum in München und dozierte u.a. an der Karls-Universität in Prag. Dr. Vojta hat erstmals in den 5Oer Jahren herausgefunden, daß man in die Steuerung des Gehirns eingreifen kann, um Haltung und Bewegung zu beeinflussen. Ein gezieltes Bewegen verbesserte die Gesamtsituation der Patienten. Durch Beobachten, Analysieren, Vergleichen und durch das Achten auf bestimmte Gesetzmäßigkeiten entstand, was wir heute als Bahnungssystem Vojta, Vojta -Konzept oder Reflexlokomotion bezeichnen.

Der Grundgedanke der Therapie besteht aus einem ganzheitlichen Konzept: Jede Art von Bewegung oder Haltung ist fest im Gehirn (Axisorgan mit dem Zentralnervensystem) einprogrammiert. So ist auch eine skoliotische Fehlhaltung im Gehirn eine "Programmstörung" mit entsprechender Haltungs- und Bewegungsstörung als sichtbarem Ausdruck.

Die "ideale Motorik" mit allen feinen Bewegungen und Gleichgewichtsreaktionen soll wieder hergestellt werden. Die Reflexfortbewegung nach Vojta ist während des ganzen Lebens (von Geburt an bis ins hohe Alter) abruf- und anwendbar. Die Reflexfortbewegung ist bei jeder Störung von Haftung und Bewegung einzusetzen. Je früher die Behandlung beginnt, desto effektiver kann der Bewegungsstörung entgegengewirkt werden. Bei Skoliosen und allen anderen orthopädischen Fehlhaltungen zeigt sich durch die Vojta-Therapie sehr deutlich eine verbesserte Haltung.

Wie wird therapiert?
Die Reflexfortbewegung wird in ganz bestimmten Ausgangslagen ausgeführt. Durch Druck an genau festgelegten Zonen oder Punkten werden Reize gesetzt. Diese Zonen müssen durch dreidimensional gesetzte Reize stimuliert und verstärkt werden. Ausgangslage, Druckrichtung Druckstärke und Dauer werden gemeinsam erarbeitet und jedem Patient angepasst.

Was bedeuten Zonen und Reize?
Dr. Vojta beschreibt neun verschiedene Zonen und zwei "Widerstands-Zonen", alle wurden empirisch gefunden. Durch Kombination verschiedener Zonen und durch Druck- oder Zugreize werden die Reflexlokomotionen in Gang gesetzt. Der Patient reagiert mit einer Bewegungsantwort, die vorher schon ganz genau definiert werden kann.

Die Reizmenge (Anzahl der Zonen) und die Reizdauer (wie lange eine Zone stimuliert wird) ist ebenfalls wichtig. Bestimmte Bewegungen werden zusätzlich durch Widerstände gebremst, d.h. isotone (dynamische) Kontraktionen werden in isometrische umgewandelt. So bekommen die Muskelketten umgekehrte Reize, welche für die Gleichgewichtsregulationen unbedingt Voraussetzung sind.

Was bedeutet Bahnung?
Bahnung bedeutet Erleichterung das motorischen Prozesse. Durch die Reflexlokomotion werden bestimmte physiologische Muster in Gang gesetzt und der Patient selbst schafft den Zugang zu seinem Zentralnervensystem. Gerade bei der Skoliose erreicht man durch die Bahnung der Reflexlokomotion die Muskelgruppen, die "unbewusst und nicht kommandierbar" sind. Es sind alle Muskeln (autochthone Muskeln), die direkt an der Wirbelsäule sitzen und die hauptsächlich für die skoliotische Fehlhaltung verantwortlich sind.

Welche Ausgangsstellungen werden eingesetzt?
Es gibt drei Grundpositionen und über 20 verschiedene Variationen dazu. Es werden immer horizontale Ausgangsstellungen gewählt, weil diese entwicklungsgeschichtlich näher am "Mangel" und am falschen "Haltungsmuster" dran sind, als die aufrechte Haltung.

Ausgangsstellung Bauchlage:
Hier wird das Reflex-Kriechen ausgelöst.

Ausgangsstellung Rückenlage:
Hier wird das Reflex-Umdrehen 1. Phase ausgelöst.

Ausgangsstellung Seitenlage:
Hier wird das Reflex- Umdrehen 2. bis 4. Phase ausgelöst.

Welche positiven Effekte kommen dazu?

  • Verbesserte Hautdurchblutung (Hautfarbe und -temperatur).
  • Verdauungs-und Miktionsrhythmus normalisieren sich.
  • Atmung verbessert sich, Vitalkapazität steigert sich, Stimme wird lauter und kräftiger.
  • Sagittaler Thoraxdurchmesser wird größer.
  • Längenwachstum der Röhrenknochen wird aktiviert (weniger Frakturen).
  • Innere Wahrnehmung verbessert sich (Propriozeption).
  • Gleichgewichtsreaktionen verbessern sich.

Zusammenfassung
Bei der Vojta-Behandlung wird unser Gehirn angeregt, das Programm der angeborenen idealen Bewegungsmuster in Gang zu setzen. Die Anwendung muss zwei bis vier mal täglich erfolgen. Es kann erreicht werden, dass der Patient den ganzen Tag eine verbesserte Haltungs- und Bewegungsmöglichkeit hat und diese auf Dauer in seine Spontanmotorik einsetzt. Ebenso werden die Wahrnehmungsmöglichkeiten über den Körper deutlich verbessert.

Die Reflexlokomotion ist zwar anstrengend, aber effektiv!